Filme 1992
1992
- Videogramme einer Revolution
-
- Der Herbst 1989 blieb uns im Gedächtnis als eine Abfolge visueller Ereignisse: Prag, Berlin, Bukarest. Den Bildern nach war die Geschichte wiedergekehrt. Wir sahen Revolutionen. Und das vollständigste Revolutionsszenario lieferte Rumänien, Einheit von Zeit und Ort inbegriffen. In nur zehn Tagen und nur zwei Städten spielte sich alles ab: Aufstand des Volkes, Sturz der Macht, Hinrichtung der Herrscher. Nach einem ersten Aufruhr in Temesvar, bei dem es der Regierung noch gelang, die Stadt zu isolieren, vollzog sich der Umsturz in Bukarest; in der Hauptstadt und vor der Kamera. Denn dort wurde der TV-Sender von Demonstranten besetzt, blieb etwa 120 Stunden auf Sendung und etablierte einen neuen historischen Ort: Das Fernsehstudio. Zwischen dem 21.12. 1989 (der letzten Rede Ceausescus) und dem 26. 12. 1989 (der ersten TV-Zusammenfassung seines Prozesses) nahmen die Kameras die Ereignisse an den wichtigsten Schauplätzen in Bukarest fast vollständig auf. Das bestimmende Medium eines Zeitabschnittes prägte schon immer die Geschichte. Die europäische Neuzeit eindeutig. Sie wurde vom Theater beeinflußt, von Shakespeare bis Schiller, danach von der Literatur, bis Tolstoi. Wir wissen es, das 20. Jahrhundert ist filmisch. Aber erst die Videokamera und ihre erhöhten Möglichkeiten in Aufzeichnungsdauer und Mobilität kann den Prozeß der Filmisierung von Geschichte vollenden. Vorausgesetzt, es gibt Geschichte. (Andrei Ujica). [weiter...]
- Regie, Buch, Kommentar: Harun
- Farocki, Andrei Ujica Übersetzung:
- Nathalie Roth (deutsch) Grafik: Hauke
- Sturm, Angela Zumpe, Peter U.
- Petersen Schnitt: Egon Bunne
- Assistenz: Beate Ochsner
- (Deutschland), Velvet
Moraru
- (Rumänien) Sprecher:
Thomas
- Schultz Produktion: Harun Farocki
- Filmproduktion, Berlin, Bremer Institut
- Film/Fernsehen Produktionsgesellschaft
- mbH, Bremen mit Mitteln der Berliner
- Filmförderung Produzent: Harun
- Farocki Produktionsleitung:
Ulrich
- Ströhle Länge: 106 Min. Format:
- 16mm, Farbe, 1:1,37 Uraufführung:
- 12.08.1992 Locarno (Internationales
- Filmfestival) Deutsche Erstauf-
- führung: 14.11.92 Duisburg
- (Duisburger Filmwoche) Kinostart:
- 06.05.1993 Erstsendung: 20.12.1993,
- West 3 Auszeichung: Prädikat "
- Wertvoll"
65
1992
- Kamera und Wirklichkeit
-
- Was man als Fernsehkritiker schon immer zu sehen wünschte und nie zu sehen bekam: daß wenigstens gelegentlich der unaufhörliche Fluß der Bilder angehalten würde, um sie genau zu betrachten, darüber zu sprechen, sie analysieren, sie noch einmal ansehen. Durch die Bilder hindurchzusehen auf die Wirklichkeit, von der sie erzählen. Kamera und Wirklichkeit, Rumänien 1989 ist der Titel eines dreistündigen Dokumentarfilms von Harun Farocki und Andrei Ujica, und er gehört zu den aufregendsten Produktionen, die in den letzten Monaten über den Bildschirm gelaufen sind. Aus 120 Livesendungen des rumänischen Fernsehens aus den Revolutionstagen vom Dezember 1989 sowie aus etwa ebensoviel Material von Videoamateuren und Kameraleuten der staatlichen rumänischen Filmstudios haben Farocki und Ujica die Chronik der Ereignisse zusammengestellt, sie in kleine Kapitel zerschnitten, mit überschriften versehen und dazu eine Runde von Medientheoretikern ins Studio gesetzt, um die Sequenzen zu bereden.[...] Die Medientheoretiker der Diskussionsrunde (Friedrich Kittler, Bochum; Andrei Plesu, Bukarest; Manfred Schneider, Essen; Peter M. Spangenberg, Mannheim) tun dies ausführlich, detailliert und gelegentlich mit der geballten Eitelkeit der professionellen Durchblicker. (Fritz Wolf, epd, 9 Januar 1993)
- Regie, Buch, Kommentar: Harun
- Farocki, Andrei Ujica Mitwirkende
- im Studio:
Harun Farocki, Andrei
- Ujica,
Andrei Plesu, Friedrich Kittler,
- Manfred Schneider, Peter M. Span-
- genberg Produktion: SWF, Baden-
- Baden, in Zusammenarbeit mit Harun
- Farocki Filmproduktion, Berlin, für
- arte, Straßburg Produzent: Harun
- Farocki Redaktion: Ebbo Demant
-
Länge: 120 Min. (SWF-Fassung); 186
- Min. (arte-Fassung) Format: Video -
- BetaSp, Farbe, 1:1,37 Erstsendung:
- 07.12.1992, SWF 3; 22.12.1992, arte