Filme 1997
 
1997
Die Bewerbung
 
Im Sommer 1996 filmten wir Bewerbungs-Übungen, Kurse, in denen man lernt, wie man sich für eine Anstellung bewerben soll. Wir filmten Langzeit-Arbeitslose, denen die Wohlfahrtsbehörde die Teilnahme an einem solchen Kurs aufgedrückt hatte und wir filmten Manager mit einem Zweihunderttausendmarks-Jahresgehalt, die sich einen Privat-Coach leisteten so wie einmal die freien Bürger Athens von einem Haussklaven in Rhetorik unterwiesen worden sind. Schulabgänger, Studierte, Umgeschulte, Langzeitarbeitslose, ehemalige Drogenabhängige und Mittelmanager, sie alle sollen lernen, sich selbst anzubieten und zu veräußern, wofür es den Begriff Self-Managment gibt. Das Selbst ist vielleicht nur ein metaphysischer Haken, an den die soziale Identität gehängt ist. Im Bewerbungsgespräch soll der ganze Mensch erscheinen, nicht nur seine meßbare Eignung, die auf Papieren vorausgeschickt wird. Der ganze Mensch fühlt sich angenommen oder verworfen. [weiter...]
Regie, Buch: Harun Farocki Kamera:
Ingo Kratisch 2. Kamera: Bernd Löhr
Schnitt: Max Reimann Ton: Ludger
Blanke Musik: Neil Young Recherche:
Ludger Blanke Produktion: Harun
Farocki Filmproduktion, Berlin, für den
Süddeutschen Rundfunk, Stuttgart
Produzent: Harun Farocki Redaktion:
Juliane Endres Länge: 58 Min.
Format: Video- BetaSp, Farbe, 1:1,37
Erstsendung: 18.02.1997, arte
Beitrag für die TV-Reihe
La vie en face / Welt im Blick
 
76
1997
Die Werbebotschaft
 
Beitrag für das Magazin "Brut" (arte), aus Material der Produktion Der Auftritt. (Produktionsmitteilung)
Regie, Buch: Harun Farocki
Kamera: Ingo Kratisch 2. Kamera:
Rosa Mercedes Schnitt: Max
Reimann Ton: Ronny Tanner
Produktion: Harun Farocki
Filmproduktion, Berlin
Produzent: Harun Farocki Produktions-
leitung: Ulrich Ströhle Redaktion: Inge
Classen Länge: 3 Min. Format: Video -
BetaSp,Farbe 1:1,37 Erstsendung:
04.04.1997, arte
 
1997
Stilleben
 
So wie die Malerei des 17. Jahrhunderts Dinge des Alltagslebens Speisen, Getränke, Tafelschmuck im Stilleben abgebildet hat, so werden heute in der Werbeindustrie mit einem großen Aufwand und hohen Grad an Spezialisierung Fotos von Waren produziert. Harun Farocki hat Fotografen in Frankreich, den USA und Deutschland in ihren Studios aufgesucht und sie tagelang mit der Kamera bei der Arbeit beobachtet. Es sind drei dokumentarische Sequenzen über das Arrangement einer Käseplatte, von gefüllten Biergläsern und einer wertvollen Armbanduhr entstanden. Dem gegenüber stellt der Autor in vier Blöcken einen essayistischen Text über die klassische niederländisch-flämische Stilleben-Malerei und verschiedene Beispiele aus europäischen Museen. (Zeughaus-Kino, 1998)
Man sieht den Stilleben-Fotografen und ihren Teams gerne bei der Arbeit zu, weil sie eine konstruktive Arbeit tun. Sie bauen ein Bild auf, wie man ein Gerüst oder einen Kran aufbaut. Allerdings wissen wir, wie ein Kran aussieht, während die Fotografen ihr Ziel in vielen Anläufen und Teilschritten gewinnen und vergegenständlichen müssen. In Stilleben werden Ausführungen, bestimmte Thesen und ideentheoretische Implikationen zu diesem Akt des Gegenstände-Abbildens gemacht. [weiter...]
Regie, Buch: Harun Farocki Kamera:
Ingo Kratisch Schnitt: Irina Hoppe,
Rosa Mercedes, Jan Ralske Ton:
Ludger Blanke, Jason Lopez, Hugues
Peyret Mischung: Gerhard Jensen-
Nelson Mitarbeit: Jörg Becker, Dina
Ciraulo, Cathérine Mariette Sprecher:
Hanns Zischler Produktion: Harun
Farocki Filmproduktion, Berlin,
Movimento Production (Christian
Baute, Pierre Hanau), in Ko-Produktion
mit ZDF/ 3sat, RTBF-Carré Noir
(Christiane Philippe), Latitudes
Production (Jacques-Henri Bronckart),
ORF Dr. Heinrich Mis), in Zusammen-
arbeit mit NOS TV The Netherlands
Programme Service (Cees van Ede),
Planète Cable (Michel Badinter), mit
Unterstützung von Centre National
de la Cinématographie, France,
documenta X (Brigitte Kramer)
 
Redaktion: Inge Classen Länge: 56 Min.
Format: 16mm, Farbe
Uraufführung: August 1997, documenta X
Erstsendung: 07.09.1997, 3sat
 
78
1997
Das Bild der Uhr
 
Beitrag für das Magazin "Brut" (arte), aus Material der Produktion Stilleben. (Produktionsmitteilung)
Länge: 3 Min. Format: 16mm, Farbe
Erstsendung: 19.09.1997, arte
 
 
1997
Der Ausdruck der Hände
 
Die Hand steht für Berührung das Kino aber muß alle Sinneswahrnehmungen in Blicke umformen. Die erst Großaufnahmen der Filmgeschichte richteten sich auf das menschliche Gesicht, die nächsten auf die Hände. Oft sollen die Hände etwas verraten, was der Ausdruck des Gesichts verbergen will: etwa, wenn die Hand ein Glas zerdrückt ohne daß im Gesicht Erregung abzulesen ist. Obwohl die Hände auch ein Kennzeichen der Person sind, stellt das Kino doch kaum je einen Menschen mit einem Blick auf die Hände vor. Wer und was ein Mensch ist, das liest der Film im Gesicht ab, und dort sucht er auch nach der Seele. Für die Hände bleibt da das Triebhafte. Die Hände sind wie die kleinen Leute: man kann sie nicht recht von einander unterscheiden, sie tun ihre Arbeit und verstellen sich nicht groß. Die gefilmte Hand fordert die Phantasie heraus, sie als ein krabbelndes Tierchen aufzufassen. [weiter...]
Regie: Harun Farocki Buch: Harun
Farocki, Jörg Becker Kamera:Ingo
Kratisch Ton: Klaus Klingler Schnitt:
Max Reimann Recherche in den
USA: David Barker, Tom Bigelow
Länge: 30 Min. Format: Video -
BetaSp, 1:1,37 Produktion: Harun
Farocki Filmproduktion, Berlin, für den
WDR Redaktion: Werner Dütsch
Erstsendung: 07.09.1997, 3sat