In der Werbebranche wird ein sprachlicher Ausdruck
ausführlicher erörtert als in einem poetologischen Seminar und ein Bildmotiv
tiefer ausgelegt als in einer ikonographischen Studie. Bei der Inszenierung der
Präsentation werden nicht nur die Mittel erörtert, sondern auch die Mittel zur
Darstellung der Werbemittel. Ruft die gläubige Konzentration auf das Allerkleinste
schon einen metaphysischen Schwindel hervor, so wird hier der doppelte Boden
schwankend. (Harun Farocki) Der Auftritt porträtiert
eine Werbeagentur im Moment ihres Werbens für das eigene Produkt, das Konzept
einer Kampagne für einen neuen Optikkonzern. Der Kunde, ein Manager dieses Konzerns,
bleibt lange in der Rolle des Zuschauers. Von seiner Entscheidung hängt ein Millionen-Auftrag
ab. Die tagelang vorbereitete, bis ins kleinste Detail durchdachte Inszenierung
der Werbeagentur, eine eitle Selbstdarstellung, soll möglichst improvisiert wirken.
Farocki beobachtet genau, ohne Erläuterung, ohne Kommentar, ohne explizite Kritik.
(3sat, August 1997)