Harun Farocki, Was ein Schneideraum
ist, in: Filmkritik, Nr. 277, Januar 1980
S. 2 -5. Der Text ist auch abgedruckt in: Harun Farocki, Nachdruck
/ Imprints, 2001
Das Arbeiten am Schneidetisch macht aus der Um- gangssprache
Schriftsprache. Die Bilder bekommen einen Aktendeckel, genannt Schnitt oder
Montage. Am Schneidetisch wird aus dem Gestammel Rhetorik. Weil es diese rhetorische
Artikulation gibt, ist der Diskurs ohne Artikulation im Schneideraum Gestammel.
Am Drehort, da kann man die Kamera hierhin und dorthin stellen, das ist die
Entscheidung von einer Minute, getroffen mit einem nachdenklich verzogenen Gesicht.
Im Schneideraum wird dann eine Woche lang abgewogen, wohin dieses Ein- Minuten-Bild
kommt. (Harun Farocki)