Harun Farocki, Ball und Bildschirm.
Weltmeisterschaftsfinale 2006, Protokoll eines
Documenta-Projekts, in: Lettre International
Nr. 79, 1.12. 2007


Aber die FIFA ist sowieso kaum zu glauben. Zunächst werden die Stadien mit Steuergeldern aufwändig renoviert, in Berlin unter schwerem Verstoß gegen die Bestimmungen des Denkmalschutzes. Dann zieht die FIFA ein und bekommt das Hausrecht. Sie beteiligt die Staatskasse keinesfalls an den horrenden Einnahmen aus den Kartenverkäufen und vor allem nicht an den Einnahmen aus den Fernsehlizenzen. Sie lizenziert auch noch "Sponsoren". Ein ganz falsches Wort. Es muss heißen: Sie verkauft teuer Werbeflächen und Werbezeiten. Nach dem Spiel Portugal - Frankreich geschah, dass der geschlagene Figo und der siegreiche Zidane die Trikots tauschten. Kurz bevor die beiden im Unterhemd zu sehen waren, wurden die Sponsoren-Jingles von Cola und McDonald's eingespielt. Zunächst war ich empört, im nächsten Augenblick hoffte ich, dass die beiden Firmen damit den Hass der Zuschauer auf sich zögen. Als das Spielfeld wieder zu sehen war, hatte Figo das Hemd von Zidane falsch herum an. Jetzt kam es mir toll vor, dass Cola und McDonald's den Hemdentausch verborgen hatten wie eine Umkleidekabine.