1968 flog Farocki mit siebzehn weiteren Studenten
wegen rebellischer Umtriebe von der Berliner Filmakademie; ein Jahr später entstand
Nicht löschbares Feuer, der wichtigste Agitprop-Film der Vietnam-Bewegung.
Ein Traktat über Napalm-Produktion, Arbeitsteilung und fremdbestimmtes Bewußtsein
von brechtischer Kargheit, lehrhaft im Stil, schneidend in der Diktion: heute
ein Dokument für den pädagogischen Rigorismus der 68er, aber auch für ihr Vermögen,
komplizierte Zusammenhänge so zu erhellen, daß Kapieren und Agieren für viele
der Generation zu einer selbstverständlichen Einheit wurden. (Klaus
Kreimeier, Die Zeit, 3.12. 1993). Nicht löschbares Feuer nimmt
viele Themen vorweg, die in Farockis weiterem Werk eine Rolle spielen: Technologie,
Krieg, die Verstrickung von Wissenschaftlern und Ingenieuren in den militärisch-industriellen
Komplex. Auch die stilisierte, sparsame Bildgestaltung, die mit einem 10mm-Objektiv
aufgenommenen tiefelosen Räume, die 'unnatürlichen' Plansequenzen und die an
Brecht erinnernde Schauspielerführung verweisen bereits auf jene Filme, die Farocki
in den siebziger und frühen achtziger Jahren machen sollte. Doch im Zusammenhang
mit seinem politischen Engagement als Filmstudent ist hier die autodestruktive
Geste der wichtigste Aspekt. Mit ihr signalisiert Farocki seine Abkehr von der
direkten politischen Militanz und eine Hinwendung zum künstlerisch-ästhetisch
sublimierenden Filmemachen, das freilich von äußerster formaler Radikalität sein
sollte. Eine so dezidierte Außenseiterposition haben selbst in dieser für den
westdeutschen Film so außerordentlich experimentier-freudigen Zeit nur sehr wenige
andere Regisseure eingenommen. (Tilman Baumgärtel)