Was Venture Capital, kurz VC, deutsch Risiko-Kapital
ist, wird im Film selbst erklärt. Banken geben Geld nur gegen Sicherheiten. Wer
die nicht hat, muss sich an VC-Gesellschaften wenden, und zahlt dafür 40% Zinsen.
Mindestens. Wir hatten bei den verschiedensten Firmen Aufnahmen gemacht, bei
VC-Gesellschaften, die Projekte diskutieren, bei Unternehmern, die eine Idee
in Form bringen wollen, bei Beratern, die die Präsentation einüben. Dann aber
beschränkten wir uns auf eine einzige Verhandlung an nur zwei Tagen. Als ich
den Anwalt der kapitalsuchenden NCTE sagen hörte: "Wir sind ein bisschen enttäuscht
über das Angebot", fühlte ich mich in einen Coen-Brothers-Film versetzt. Die
Akteure in unserem Storyfilm sind geistesgegenwärtig und voller Darstellungslust.
Sie verhandeln, zu welchen Konditionen 750.000 Euro vergeben werden sollen. Nachdem
sie sich zunächst nicht einigen können, weichen sie auf ein allgemeines Gespräch
über strategische issues aus. Da wird deutlich, dass die NCTE, Hersteller von
berührungslosen Drehmoment-Sensoren schon mit grossen Firmen im Gespräch ist.
Und das entzündet die Phantasie, die Welt ist voller Möglichkeiten und es ist
eine Lust, diese abzuwägen. Vor der nächsten Verhandlungs-Runde entsandten beide
Parteien je einen Vertreter zu einer Besprechung, von der wir nichts wussten.
Sie einigten sich, aber das hielt im Gespräch nicht stand. Nochmals kam es zu
einer überraschenden Wendung. Man könnte geneigt sein, die Partei des Erfinder-Unternehmers
einzunehmen, Arbeit gegen Kapital. Aber auch er will seinen Betrieb in eine paar
Jahren zu Geld machen. (Harun Farocki)