Single ist kein theoretischer Traktat, sondern
man sieht anhand von Ausschnitten wie eine Single produziert wird. Der Song heißt
Time to Love die Vokalisten nennen sich Witchcraft, hinzu kommen noch Komponist,
Arrangeur, Produzent und die Studiomusiker, später die Streicher. Am Beginn steht
die skandalöse Diskrepanz, die die Sprecherin aus dem Off erwähnt. Das Filmteam
befindet sich für zwei Tage im Plattenstudio, um zu beobachten, wie ein drei
Minuten langes Musikstück produziert wird. Dabei verdichtet der Film seinerseits
die Dauer der Arbeit: nach 15 Minuten Film verkündet die Sprecherin aus dem Off,
daß nunmehr nach vier Stunden Probe das Grundplayback zur Zufriedenheit des Produzenten
ausgefallen sei. Nach 24 Minuten Film wird festgestellt, daß das Filmteam nach
neun Stunden Drehzeit das Studio verlassen hat, während die Arbeit an den Gitarrenspuren
noch einige Stunden gedauert habe. [...] "Jedes Produkt gibt sich individuell;
die Individualität selber taugt zur Verstärkung der Ideologie, indem der Anschein
erweckt wird, das ganz Verdinglichte und Vermittelte sei eine Zufluchtstätte
von Unmittelbarkeit und Leben" (Adorno 1967, S. 63), hatte traditionelle Kulturkritik
formuliert. Daß derlei Thesen zur "Kulturindustrie" dringender Re-Vision bedürfen,
eben dies zeigt Single auch. (Ulrich Kriest)