Zwischen zwei Kriegen von Harun Farocki
ist ein Film über die Zeit der Hochöfen, 1917 bis 1933, über die Entwicklung
einer Industrie, über eine perfekte Maschine, die so lange laufen mußte, bis
sie sich selbst zerstörte. Der Essay des Berliner Filmemachers Harun Farocki
über die Schwerindustrie und das Gichtgas überzeugt durch kühle Abstraktion,
durch die monomanische Besesseneheit des Autors, der an Hand eines einzigen Beispiels
den selbstzerstörerischen Charakter der kapitalistischen Produktion zu belegen
versucht... Zugleich ist Zwischen zwei Kriegen auch ein Film über die Anstrengung
des Filmemachens, eine Reflexion über Handwerk und Herstellungsbedingungen. Farocki
entfernt sich radikal von der gedankenlosen Schlampigkeit üblicher Fernseharbeiten.
Die Klarheit und präzise Kadrierung seiner spröden Schwarzweißkompositionen,
die Gedanken nicht illustrieren, sondern selber Gedanken sind, erinnern oft an
den späten Godard. Die Armut dieses Films, dessen Produktion sechs Jahre in Anspruch
nahm, ist zugleich seine Stärke. (Hans C. Blumenberg, Die
Zeit, 2.2.1979) Zwischen zwei Kriegen von Harun Farocki zeigt,
wie "vom Sterben der Toten für das Leben der Lebenden zu lernen wäre", zu lernen
vor allem aus den ökonomischen Vorgängen und Konsequenzen, die zum Faschismus
geführt haben. Vielleicht der wichtigste Film eines jüngeren deutschen Regisseurs
zur Aufarbeitung und Analyse des Nationalsozialismus überhaupt. (Hans-Günter
Pflaum, Süddeutsche Zeitung, 13.2. 81)